Willkommen beim Weblog DogWalker im August
Liebe Hundefreunde,
mit unseren Hunden gemeinsam unterwegs zu sein – das ist es, was uns schon immer am meisten Spaß gemacht hat. Rund um dieses Thema soll sich alles auf diesen Seiten drehen.
Wir – das sind die DogWalker … die mit dem Hund gehen. Dabei kommt man ganz schön herum, erlebt viel und sieht eine Menge. Davon möchten wir anderen DogWalkern ab sofort regelmäßig berichten. Spannende Geschichten, interessante Begegnungen und hilfreiche Tipps – sie sollen diesen Weblog ausmachen.
Unser Thema im August:
"Graue Schnauzen" |
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Interview mit Doro Dahl
Vor einigen Tagen traf ich mich mit Doro Dahl. Sie ist die Autorin des Buches „Graue Schnauzen“, das im Cadmos Verlag erschienen ist. Ihr sind die Hundesenioren ganz besonders ans Herz gewachsen und sie hat auch selbst schon einige Hunde durch die goldenen Jahre begleitet.
Für den DogWalker-Weblog hab ich ihr ein paar Fragen gestellt.
Doro, sag mal, wann ist ein Hund eigentlich ein Senior?
Das ist je nach Rasse und Typ ganz unterschiedlich. Eine Dogge zum Beispiel, zählt leider schon im Alter von etwa 6 Jahren zu den Senioren, da ihre durchschnittliche Lebenserwartung nicht mehr als 8 bis 10 Jahre beträgt. Auf der anderen Seite gibt es Rassen wie Dackel oder Jack Russel, die mit 12 Jahren noch fit und munter sind und manchmal bis zu 18 Jahren oder sogar noch älter werden. Wenn wir unsere Hunde gut beobachten, werden wir selbst früher oder später feststellen, wann der geliebte Vierbeiner ins Seniorenalter kommt.
Wie verändert sich ein Hund im Alter?
Neben der grauen Schnauze, die manchmal auch schon in jüngeren Jahren auftritt, ohne, dass der Hund Alterserscheinungen zeigt, kann man die Zeit erkennen, in der der Hund sozusagen einen Gang zurückschaltet. Vielleicht merkt man es daran, dass der einst so ausdauernde Terrier auf der üblichen Fahrradrunde nicht mehr so munter mithält. Oder auch daran, dass der Hund nicht mehr so gut sieht oder hört. Viele graue Schnauzen schlafen sehr viel mehr als früher und lassen auf dem Spaziergang schon mal einen Hasen laufen, den sie früher auf keinen Fall aus den Augen gelassen hätten. Der Bewegungsapparat verändert sich und wir erkennen auch am Gang unseres Hundes, dass er nicht mehr so beweglich ist, wie in jungen Jahren.
Wie halte ich meinen Hund so lange wie möglich aktiv und agil?
Wenn Du mit Deinem Hund immer viel unterwegs warst, solltest Du damit auf gar keinen Fall aufhören. Versuche aber, Dich den veränderten Möglichkeiten Deines Hundes anzupassen, indem Du gut darauf achtest, was Dein Hund nicht mehr kann oder auch nicht mehr will. Was aber nicht heißt, dass man ihn zum Beispiel auf eine Fahrradtour nicht mehr mitnehmen sollte. Ein Hundeanhänger fürs Fahrrad ist dann die richtige Lösung für eine entspannte Seniorenpause. Auch ein Ausflug in den Wald, in die Stadt oder zu Hundefreunden in den Garten ist eine willkommene Abwechslung im Seniorenalltag. Man sollte dann aber immer die Lieblingsdecke oder ein leichtes Kuschelkörbchen mitnehmen, in das sich der Hund zurückziehen kann, wenn alles zuviel wird. Eine kleine Schlafpause wirkt da Wunder. Mehrere kleine Spaziergänge tun dem vierbeinigen Senior möglicherweise viel eher gut, als ein ganz langer und auch Spiele mit dem Ball, dem Futterbeutel oder der Frisbeescheibe sollten der Kondition des älteren Hundes angepasst werden. Mentale Beschäftigung bleibt auch für ältere Hunde ganz wichtig und macht allen beteiligten Spaß. Bei Nasenspielen muss man schon mal etwas einsetzen, was sehr stark riecht, damit der Senior es noch gut wahrnehmen kann. Hat er es aber einmal gefunden, freut er sich genauso wie ein junger Hund!
Mentale Beschäftigung ist ein gutes Stichwort und eine wunderbare Ergänzung zu den Spaziergängen, die ja leider kürzer ausfallen müssen als in früheren Jahren. Erzähl doch mal, was machst du so mit deiner Jane?
Jane sitzt immer schon im Auto, wenn ich irgendwo hinfahre. Wann immer es geht, nehme ich sie mit, egal, ob in die Stadt, in den Wald oder auf eine Hundeveranstaltung. Ich habe drei Hunde, aber die alte Dame bekommt immer wieder ganz besondere Privilegien. Wenn wir unterwegs sind, erlebt sie die unterschiedlichsten Dinge, lernt neue Menschen und Hunde kennen und freut sich über zahlreiche Streicheleinheiten. Diese Erlebnisse sind eine willkommene Abwechslung vom relativ ruhigen Alltag zuhause. Meistens habe ich einen kleinen Dummy, den sie gut tragen kann, eine Frisbee-Scheibe oder eins von Deinen wunderbaren Sniffers (als Schnüffelspiel) dabei. So können wir in allen möglichen Lebenslagen Spiele einbauen, die ihr auch mit ihren fast 12 Jahren noch großen Spaß machen. In der Stadt lasse ich sie schon mal auf einem Mäuerchen laufen oder auf eine Bank springen, was sie sehr gerne tut, zumindest dann, wenn sie dafür ein besonderes Leckerchen zur Belohnung erhält. Im Wald lege ich Leckerchen-Fährten ins Laub oder verstecke einen kleinen leichten Futterdummy. Zuhause oder wenn sie im Auto einmal länger warten muss, bekommt sie einen Futterball oder ein anderes Spielzeug, aus dem sie in mühsamer Kleinarbeit Leckerchen herauskugeln oder würfeln kann.
Werden ältere Hunde eigentlich dick?
Ältere Hunde bewegen sich meist zwangsläufig weniger als junge Hunde. Wir sollten deshalb die Futtermenge bzw. die Futterzusammenstellung anpassen. Ein älterer Hund sollte auf gar keinen Fall hungern, weil er wenig Futter bekommt, um nicht dick zu werden. Nimm dann lieber ein Seniorenhundefutter von dem er satt wird, das aber so zusammengesetzt ist, dass es nicht dick macht. Auch eine ausgewogene Rohfütterung hat sich bei Hundesenioren bewährt.
Gib uns doch mal ein paar Gesundheitstipps: wie halte ich meinen alten Hund so lange wie möglich fit?
Ein Gesundheitscheck beim Tierarzt mit Durchführung eines Blutbildes einmal im Jahr empfiehlt sich gerade bei älteren Hunden, um bei möglichen Erkrankungen der großen Organe rechtzeitig eingreifen zu können. Auch die Zahnpflege ist beim alten Hund besonders wichtig, da ihm kranke Zähne nicht nur große Schmerzen bereiten können, sondern auch fatale Folgen für seinen gesamten Gesundheitszustand haben können. Es ist sinnvoll, die Zähne des Hundes ein bis zwei Mal jährlich beim Tierarzt reinigen zu lassen und ein bis zwei Mal pro Woche die Zähne des Hundes mit einer speziellen Hundezahnpasta zu reinigen. Spezielle Algenpräparate wie „Plaque off Animal“ unterstützen die Gesunderhaltung der Hundezähne und vermindern die Entstehung von Belägen und Zahnstein. Eine gesunde Ernährung, weder Über- noch Unterforderung, sowie eine altersentsprechende Auslastung des Hundes unterstützen zudem das Wohlbefinden und den guten Allgemeinzustand des geliebten Vierbeiners mit der grauen Schnauze.
Du scheust dich ja auch nicht, im letzten Kapitel Deines Buches Graue Schnauzen übers Abschiednehmen zu sprechen. Ich finde es sehr wichtig, sich auch mit diesem Thema zu befassen. Was denkst du, ist das Wichtigste, wenn dieser Tag einmal kommt?
Immer wieder kommt es vor, dass Hunde eines natürlichen Todes sterben. Sie waren vielleicht schon einige Zeit krank, wurden aber so liebevoll betreut und medizinisch versorgt, dass ihr Leben noch eine hundegerechte Lebensqualität hatte. Ist diese nicht mehr gegeben, sollte man sich nicht scheuen, gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt darüber nachzudenken, ob es nicht besser ist, den Hund einzuschläfern. Einer unserer alten Whippets war dement. Er hat mit unserer Hilfe und einer aufwändigen 24 Stunden Betreuung noch ein ganzes Jahr gut mit dieser Erkrankung gelebt. Als er dann aber fast den ganzen Tag völlig desorientiert war, in den simpelsten Lebenslagen herzzerreißend jaulte und die Zeitfenster, in denen er wirklich Hund sein konnte, immer kleiner wurden, haben wir uns schweren Herzens entschieden, von ihm Abschied zu nehmen. Wer seinen Hund gut kennt, wird wissen, wann dieser Tag gekommen ist. Es ist furchtbar schwer, sich diese Gewissheit einzugestehen und manchmal schieben wir die Entscheidung länger vor uns her, als es dem Hund gut tut.
Worauf sollte man in dieser Situation – die ja für alle sehr schwierig ist – achten?
Wenn der Hund dann tatsächlich eingeschläfert werden soll, halte ich es für unerlässlich, dass dies in seinen eigenen vier Wänden geschieht. Ich bin der Meinung, dass man den Hund nicht mehr in eine Praxis schleppen und allen Eindrücken aussetzen sollte, die ihn dort zwangsläufig erwarten. Man sollte den Tierarzt bitten, ins Haus zu kommen und auch die Mehrkosten dafür in Kauf nehmen. Und das Wichtigste: Lasse Deinen Hund in dieser Zeit nicht allein, auch wenn es Dir vielleicht schwer fällt. Du wirst den Moment, in dem Du ihn über die Regenbogenbrücke begleitet hast vielleicht nicht mehr vergessen, aber Ihr ward dann wirklich das, was man sich nur wünschen kann: Freunde fürs Leben.
Danke für die Zeit, die du dir für uns genommen hast.
Gerne, ich freue mich, wenn Hundebesitzer erkennen, dass der Hundeherbst eine ganz besondere Zeit im Zusammenleben mit ihrem Hund ist. Wer mehr wissen möchte, kann mein Buch „Graue Schnauzen - Gute Zeit mit alten Hunden“ lesen und sich folgenden kleinen Film ansehen, in dem Jane, die Seniorchefin unseres kleinen Rudels und Covergirl des Buches vorgestellt wird.
www.wdr.de
Viel Spaß von DogWalker zu DogWalker wünscht Ihnen
Martina Nau